Bernhard Jestl
Am 25. April spielen wir in unserem Abonnement-Konzert Apollon Musagète von Stravinsky. Das Stück handelt von Apollon und den Musen Kalliope, Polyhymnia und Terpsichore. Ich will hier keine Abhandlung über das Stück schreiben, das haben schon andere getan, ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf den Schluss des Werks lenken: der letzte Satz mit dem Titel Apothéose, und die letzten elfeinhalb Takte in Sonderheit sind für mein Empfinden der Höhepunkt der ganzen Komposition.
Das Werk beginnt mit dem Satz Naissance d’Apollon, Geburt des Sohnes von Zeus und Leto; kam übrigens noch gleichzeitig seine Zwillingsschwester Artemis zur Welt, aber um die geht’s hier nicht, es geht um Apollon, um den Gott des Lichts. Ganz leise und gravitätisch betritt er die Bühne, zögerlich zwar aber stolz und selbstbewusst mit gemessenem punktiertem Schritt, der ihm durch das ganze Werk eigen ist. – Lassen Sie sich führen durch die zehn Tanzsätze, die Variationen, die Auftritte der drei genannten Musen, einen überaus behutsamen Pas de deux, ein Satz, der den Begriff Tanz kaum zu tragen vermag. Dann folgt als vorletzter Satz die Coda, die sich erschöpft in Flitter, französischem Tand und Trödel: der Gott ganz menschlich, easy und relaxt, folgerichtig beendet der Komponist den Satz in E-Dur mit dazugeschobener Sexte, was für ein schwächlicher Schluss!
Nun folgt aber noch die eingangs erwähnte Apothéose: nach ein paar Eröffnungsakkorden und einem kurzen Choral nimmt Apollon Abschied und lässt noch einmal ganz stolz seine punktierte Melodie erklingen, aber wie hat sich die Welt seit dem ersten Satz verändert! Dort ganz rein und sauber, hier verhüllt von Tremoli in den Mittelstimmen, die ihrerseits sich aber aufschwingen zu einer tragischen Dreitonfolge, die des Gottes Abgang, der endlich seiner hellenischen Herkunft sich besinnt, begleiten. Sechsmal muss das Schlussmotiv wiederholt werden, bis der Vorhang endlich sich senkt in entrücktem h-moll.
Wegen dieser elfeinhalb Takte, die mir, ich gebe es gerne zu, die Tränen in die Augen treiben, müssen Sie unser Konzert hören.







