Von Nina Zedler
Letzte Woche waren wir noch in Korea- in wenigen Tagen werden wir in Istanbul sein- es gibt Zeiten, in denen unser Leben im MKO einem Vagabunden- Leben ähnelt.
Und dennoch- wir sind nicht ohne Heimat.
Wir haben einen Ort, zu dem wir immer wieder zurückkehren und der unverändert unser Arbeitsmittelpunkt bleibt- unser Orchesterprobenraum.
Noch.
Denn der Moment, in dem wir unseren angestammten Probenraum am Wittelsbacherplatz verlassen müssen, rückt unwiderruflich näher.
Und auch der angedachte Nachfolger, das Amerikahaus, wird uns nach jetzigem Stand der Dinge mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zur Verfügung stehen.
Die Erkenntnis, dass wir möglicherweise noch in diesem Sommer heimatlos werden, trifft mich sehr.
Trägt doch ein Probenraum maßgeblich zum Leben und der Gestalt eines Orchesters bei.
Das zunächst offensichtliche ist hart genug: der Raum, in dem die Proben des Orchesters stattfinden, geht verloren.
Aber für uns Orchestermusiker ist es noch so viel mehr als das.
Denn der Probenraum ist der Dreh- und Angelpunkt des Orchesterlebens.
Hier ist das Arbeitsmaterial gelagert- meterweise Notenschränke, Pultleuchten, Notenständer, Reise- Transportkästen für die großen Instrumente, natürlich unser unbewegliches Instrumentarium wie Tasteninstrumente und vieles, vieles mehr.
Hier trifft man sich außerhalb des Orchester- Probenplanes zum Erarbeiten der doch sehr zahlreich in unseren Konzerten vertretenen Kammermusik- Werke.
Und vor den Proben können sich Orchestermitglieder und Solisten in Ruhe einspielen.
Ich gehe dorthin, wenn ich die Nachbarn zuhause mit pausenlosem Üben der nächsten Auftragskomposition nicht überstrapazieren möchte.
Und fast immer begegne ich dort einem Kollegen, der das gleiche tut.
Spätabends beim Üben im Probenraum noch Fingersätze besprechen und sich über den Stand der Vorbereitungen austauschen- das sind die Dinge, die ein Orchester zusammenschweißt.
Natürlich haben wir unsere gemeinsamen Tournee- Erlebnisse und unzählige Anekdoten von unterwegs, die wir uns immer wieder gegenseitig erzählen.
Aber wir schön erst sind sie, wenn man sie sich in der Pause auf dem Sofa im heimischen Probenraum erzählt!
Solange das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, bleibt es für mich noch eine sehr abstrakte Vorstellung, plötzlich ohne Probenraum dazustehen.
Aber eines weiß ich sicher: Wir würden damit endgültig zu Vagabunden.