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SAISON 2016/17 - "REFORMATION"

Reformation

„Reformation“ ist das Motto des Münchener Kammerorchesters für die Konzertsaison 2016/17. Der Bezug zum großen Reformationsjubiläum 2017 ist augenfällig und die Wirkungen und Ausprägungen des reformatorischen Gedankenguts auf die Musikgeschichte der letzten 500 Jahre werden in den Konzertprogrammen vielfältig reflektiert. Aber „Reformation“ ist für das MKO auch ein Thema, das die Haltung zum Musizieren an sich, die Entwicklung und Erweiterung des Repertoires und nicht zuletzt die Struktur des Orchesters selbst betrifft.

 

Clemens Schuldt

Die „Reformations“-Saison ist die erste des neuen Chefdirigenten Clemens Schuldt beim MKO. Der gebürtige Bremer hat zunächst als Geiger in verschiedenen Orchestern, zuletzt in der Kammerphilharmonie Bremen, gespielt, bevor er sich ganz der Dirigentenlaufbahn zuwandte. Inzwischen gilt Schuldt international als einer der spannendsten jungen deutschen Dirigenten; die ersten beiden Dirigate beim MKO 2014 und 2015 waren für beide Seiten so erfreulich, dass das Orchester ihn im letzten Sommer einmütig zum Nachfolger von Alexander Liebreich gewählt hat.

 

Schuldt wird in seiner ersten Saison u.a. drei Abonnementkonzerte, zwei Komponistenporträts in der Pinakothek der Moderne und das Kinderkonzert leiten; insgesamt sind 15 Dirigate, in den nächsten Spielzeiten dann 18 Dirigate beim MKO vereinbart. Gleich im ersten Abonnementkonzert am 13. Oktober steht neben der vierten Orchestersuite von J.S. Bach und einer Uraufführung von Clara Iannotta die „Eroica“-Symphonie von Beethoven auf dem Programm – eine ideale Gelegenheit also, den neuen Chefdirigenten mit einer „MKO-typischen“ Repertoirebreite kennen zu lernen.

KÜNSTLERISCHES GREMIUM

Die wachsende Beteiligung von Orchestermusikern an programmatischen Entscheidungsprozessen als allgemein zu beobachtender Prozess ist beim MKO jetzt auch formal verankert: die Planung der „Reformations“-Saison lag erstmals in den Händen eines Künstlerischen Leitungsgremiums, dem neben dem Chefdirigenten und der Geschäftsführung (Florian Ganslmeier, Anselm Cybinski) auch zwei Orchestermusiker (Kelvin Hawthorne, Rüdiger Lotter) angehören, die jeweils auf die Dauer von zwei Jahren vom Orchester gewählt werden.

 

„ARTISTIC PARTNER“ / „IM FOKUS“

Seit Jahren schon gehört es zum Profil des Orchesters, neben der Entdeckung neuer, junger Musiker und Komponisten vor allem auch nachhaltige künstlerische Partnerschaften zu entwickeln. Dies findet nun erstmals seinen konkreten Ausdruck: der Dirigent und Violinist John Storgårds leitet als „Artistic Partner“ das gerade im April begonnene, auf drei Jahre angelegte Projekt mit Haydns Londoner Sinfonien und den Solokonzerten von Györgi Ligeti und tritt daneben auch als Solist in der Nachtmusik mit Werken von Kaija Saariaho auf. Erneuert und intensiviert wird die Kooperation mit Jörg Widmann, der unter dem Titel „Im Fokus“ sowohl ein Abonnementkonzert im Prinzregententheater (u.a. mit Mendelssohns „Reformations-Symphonie“) als auch sein (nach 2003) zweites Komponistenporträt in der Pinakothek der Moderne leitet. Widmann ist darüber hinaus zu Gast beim neuen Kammermusikfest des MKO in der Villa Stuck; für die übernächste Saison arbeitet er an einer neuen Komposition für das Kammerorchester. Auch die Zusammenarbeit mit Alexander Liebreich wird in 2016/17 mit zwei Konzerten fortgeführt: er leitet ein Abonnementkonzert mit dem RIAS Kammerchor sowie das 11. Münchener Aids-Konzert, bei dem u.a. Sergey Khachatryan, Okka von der Damerau und Daniel Müller-Schott auftreten werden.

 

Weitere Informationen u.a. zu Konzerten des MKO und dem Musikvermittlungsprogramm siehe die Pressemitteilung Saison 16/17 Reformation zum Download

 

 

 

Das Puchheimer Jugendkammerorchester wurde schon so oft und mit so hochwertigen Auszeichnungen gewürdigt, dass man beinahe versucht ist, es als selbstverständlich anzusehen, dass dieses Streicherensemble aus 25 Jugendlichen von 11 bis 20 Jahren unter Leitung von Peter Michielsen am gestrigen Montag in Ulm den - alle vier Jahre stattfindenden - Deutschen Orchesterwettbewerb in der Kategorie Jugendkammerorchester gewonnen hat.


Um daran überhaupt teilnehmen zu können, musste sich das Orchester im November vergangenen Jahres zunächst einmal im Bayerischen Orchesterwettbewerb durchsetzen. Dort erreichten sie eine traumhaft hohe Punktzahl und zogen als einziger bayerischer Vertreter ihrer Kategorie in den deutschlandweiten Wettbewerb ein.

4500 Musiker nahmen am 9. Deutschen Orchesterwettbewerb teil. In der Kategorie „Jugendkammerorchester“ waren neun Bewerber aus neun verschiedenen Bundesländern angetreten und es ist ein fantastischer Erfolg für das PJKO, von einem derartigen Wettbewerb mit einem ersten Platz nach Hause zu fahren!


Die Jury würdigte den „bestechend schönen Klang“ des Orchesters und hob das vom Orchesterleiter Peter Michielsen zusammengestellte Programm mit Werken von Schubert, Tschaikowsky und Ginastera, als ausgesprochen anspruchsvoll hervor. Auch die fast sprichwörtliche jugendliche Frische und Leichtigkeit, das kommunikative, einander zugewandte Musizieren des Orchesters haben großen Eindruck hinterlassen.

(Lisa Buchner)

MKO beginnt Haydn/Ligeti-Projekt mit JOHN STORGÅRDS als „ARTISTIC PARTNER“

Mit dem kommenden Abonnementkonzert am 21. April 2016 beginnt das Münchener Kammerorchester eine auf drei Spielzeiten angelegte Reihe unter Leitung des finnischen Dirigenten John Storgårds. Die fünf Programme stellen insgesamt zehn der Londoner Sinfonien Joseph Haydns den Solokonzerten von György Ligeti gegenüber. Ergänzend werden zeitgenössische Werke zu hören sein, einige davon in Ur- oder Erstaufführungen.

Storgårds_header

Mit John Storgårds hatte das Orchester im Frühjahr 2013 erstmals sehr erfolgreich zusammengearbeitet. Bereits damals erstand die Idee, gemeinsam ein größeres Projekt über mehrere Spielzeiten zu realisieren. Die Auseinandersetzung mit den Londoner Sinfonien – Höhepunkt und Abschluss in Haydns sinfonischem Schaffen – stand seit langem auf der Wunschliste des MKO.

 

Das Repertoire des ersten Abends am 21. April 2016 im Münchener Prinzregententheater umfasst die Sinfonien Nr. 94 (Paukenschlag) und Nr. 100 (Militär) sowie das spektakuläre Hamburgische Konzert für Horn und Kammerorchester von Ligeti. Hinzu kommt It is pain flowing down slowly on a white wall für Akkordeon und Streicher, ein Stück des Dänen Bent Sørensen, dessen feinsinnige Theatralik aufs Schönste mit dem Humor Haydns und Ligetis korrespondiert. Solisten des Konzerts sind der Hornist Stefan Dohr und der norwegische Akkordeonist Frode Haltli.

Die beiden Programme im April respektive Juni 2017 werden Ligetis Violin-und Klavierkonzert vorstellen, zwei Gipfelwerke der zeitgenössischen Konzertliteratur, die enorme Ansprüche an die Ausführenden stellen. Die Solisten hierbei sind Renaud Capuçon und Kit Armstrong. Beide Abende werden wieder von Haydn-Sinfonien gerahmt; programmiert sind die Nummern 95, 96, 101 und 102. Des Weiteren vorgesehen sind Werke von Fabio Nieder und Christian Mason (Uraufführung).

 

Pressemitteilung zum Download

CLEMENS SCHULDT wird neuer Chefdirigent des MKO ab der Saison 2016/17

Clemens Schuldt wird neuer Chefdirigent des Münchener Kammerorchesters. Der 32-jährige gebürtige Bremer, der Alexander Liebreich nachfolgt, tritt sein Amt im Herbst 2016 an; sein Vertrag läuft vorerst bis 2019. Schuldt, selbst ausgebildeter Geiger, ist der fünfte Chefdirigent des 1950 gegründeten Ensembles von 28 festangestellten Streichern, die regelmäßig mit einem festen Bläserstamm zusammenarbeiten. 

 

„Am Ende eines langen und intensiven Findungsprozesses haben die Orchestermusiker Clemens Schuldt mit beeindruckender Mehrheit zu ihrem neuen Chefdirigenten gewählt“, sagt Michael Weiss vom Orchestervorstand. „In Werken von Mozart, Henze und Richard Strauss haben wir Schuldt als einen Künstler von höchster Kompetenz und mit einem brennenden Gestaltungswillen kennen gelernt, dessen genuin kammermusikalisches Partiturverständnis der Arbeitsweise des Orchesters unmittelbar entgegenkommt. Wir hatten dabei das Gefühl in Bereiche zu gelangen, in denen sich das gemeinsame Atmen von Dirigent, Musikern und Publikum ereignen kann.“ 

 

„Es ist für mich eine große Ehre, eines der profiliertesten Kammerorchester als Chefdirigent leiten zu dürfen“, kommentiert Clemens Schuldt seine Wahl. „Mit Neugier habe ich stets die innovative Programmatik dieses Orchesters verfolgt und seinen energiegeladenen und stilistisch vielseitigen Musizierstil bewundert. Als Musiker, der selbst im Kammerorchester sozialisiert wurde, suche ich die Transparenz und Detailschärfe, die dieses Ensemble auszeichnen. Nach zwei gemeinsamen Konzerten spüre ich eine enge Verwandtschaft mit der Klangsprache des MKO und freue mich sehr auf sein aufgeschlossenes Publikum in München.“

2010 Gewinner des Donatella Flick Dirigierwettbewerbs in London, hat Schuldt in Großbritannien mit Klangkörpern wie dem Philharmonia Orchestra, dem BBC National Orchestra of Wales und dem Scottish Chamber Orchestra gearbeitet. Ein Jahr lang war er Assistant Conductor des London Symphony Orchestra, was ihm die Arbeit mit Dirigenten wie Sir Colin Davis, Valery Gergiev und Sir Simon Rattle sowie die Leitung eigener Projekte mit dem Orchester ermöglichte. In Deutschland leitete er unter anderen das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart, die Bamberger Symphoniker und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen. Regelmäßige Tourneen führen ihn nach Japan und Spanien. Neben seiner Tätigkeit als Konzertdirigent nimmt die Arbeit an Opernhäusern einen zunehmend wichtigen Platz in Clemens Schuldts Kalender ein; so leitete er Produktionen in Gelsenkirchen, Mainz, Osnabrück und Innsbruck. Schuldt studierte Violine an der Musikhochschule Düsseldorf und hat in Orchestern wie der Kammerphilharmonie Bremen und dem Kölner Gürzenich-Orchester gespielt. Sein Dirigierstudium absolvierte er bei Rüdiger Bohn in Düsseldorf, bei Mark Stringer in Wien sowie Nicolás Pasquet in Weimar. 

Beim Münchener Kammerorchester wird Clemens Schuldt in der ersten Saison drei, später vier der insgesamt acht Abonnementkonzerte im Prinzregententheater dirigieren und Abende in der Reihe der monographischen Porträtkonzerte in der Pinakothek der Moderne sowie Kinder- und Sonderkonzerte betreuen. Die Education-Arbeit des Orchesters ist ihm ein besonderes Anliegen. Ebenfalls geplant sind Gastspiele, Tourneen und gemeinsame Aufnahmen. In Fragen der künstlerischen Planung wird dem Chefdirigenten ein vierköpfiges künstlerisches Gremium zur Seite stehen, dem zwei vom Orchester ernannte Musiker sowie die Geschäftsführung des MKO angehören. 

 

Alexander Liebreich, der 2006 die Leitung des Orchesters übernommen hatte, wird den Musikern über 2016 hinaus verbunden bleiben. So wird er die Münchner AIDS-Konzerte 2017 und 2018 dirigieren; für beide Spielzeiten ist überdies eine Fortführung der Kooperation mit dem RIAS-Kammerchor unter Liebreichs Leitung geplant.

 

Das Münchener Kammerorchester gilt als eines der vielseitigsten und stilistisch flexibelsten Ensembles seiner Art, in dessen Programmen zeitgenössische Musik – darunter zahlreiche Uraufführungen und Wiederaufführungen eigens beauftragter Werke – dramaturgisch spannungsvoll mit dem Kernrepertoire für Streichorchester und schlankes Sinfonieorchester in Dialog treten. Neben seiner überaus erfolgreichen Konzerttätigkeit am Heimatstandort München gastiert das Ensemble regelmäßig auf den bedeutenden Bühnen Europas, Asiens und Amerikas und tritt bei renommierten Festivals auf. Seine Aufnahmen erscheinen bei ECM Records und Sony Classical.

 

Gefördert wird das Münchener Kammerorchester vom Freistaat Bayern, der Stadt München und dem Bezirk Oberbayern. Hauptsponsor des Orchesters ist ECT / European Computer Telecoms AG, wichtigster Projektsponsor ist die BMW Group.           

MKO in der Schule

Das P-Seminar mit dem Pestalozzi-Gymnasium endet mit einem Konzert am 3.2.2016 in der Schulturnhalle des Pestalozzi-Gymnasiums in der Eduard-Schmid-Straße.

Zum Abschluss stellt sich Stefan Pausch, der Seminarleiter und Fachlehrer am Pestalozzi-Gymnasium, den Fragen von Katrin Beck:

 

Ein P-Seminar macht viel Spaß, aber auch viel Arbeit. Stefan Pausch, was bringt den Schülern diese Form der Zusammenarbeit mit einem externen Partner generell?

Zum einen denke ich, dass die Form der Zusammenarbeit mit einem externen Partner viele Schüler vor neue Herausforderungen stellt, von denen sie bisher gar nicht geahnt haben, dass sie existieren könnten. In unserem schulischen Alltag scheinen sich viele Dinge „von selbst“ zu lösen, ohne, dass die einzelnen Schüler dafür viel organisieren müssten. Schulaufgaben, Hausaufgaben, Proben, Aufführungen, Klassenfahrten, der ganz normale Alltag, wird im Grunde von der fünften bis zur zwölften Klasse für die Schüler organisiert. In zahlreichen Fällen beobachte ich, wie Eltern ihren Kindern sogar noch bei den banalsten Dingen keine Eigenverantwortung zutrauen. Sie sind sozusagen „überbehütet“. Für die Schüler bedeutet so eine Zusammenarbeit also zunächst einmal eine krasse Umstellung zu ihrem bisherigen Arbeitsverhalten. Sich selbst um einen Kontakt bemühen, diesen dann auch pflegen, Termine finden und einhalten, mit den anderen Schülern und den Projektpartnern aktiv im Austausch bleiben, Verantwortung für andere übernehmen sind nur einige Schlagworte dazu. Eine derartige Zusammenarbeit bringt den Schülern zunächst also kurz gesagt neuen, bisher unbekannten Stress.

Zum anderen ist es jedoch eine unglaubliche Bereicherung für alle Beteiligten. Denn ich behaupte, dass die Lernmöglichkeiten durch so eine Zusammenarbeit enorm erweitert werden können. Als Lehrer kann ich meinen Schülern viele Dinge in der Praxis und in der Theorie näher bringen. Das gelingt aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Darüber hinaus kann nur die Öffnung der „Institution Schule“ wirklich weiterführende Gedanken und Prozesse in den Schülern in Gang setzen. Das beste Beispiel dazu war für mich im Zusammenhang unseres Seminars ein Auftrittscoaching mit Ben Alber, einem Moderator des Bayerischen Rundfunks. Die spontane Reaktion einer Schülerin nach dem Workshop war: „Das war bisher das sinnvollste, was ich in der Schule gemacht habe.“ Interessanterweise hat die Schülerin tatsächlich „in der Schule“ gesagt, obwohl wir gar nicht im Schulgebäude sondern im Probenraum des MKO waren. Darin zeigt sich für mich aber die große Chance: Den Schülern Möglichkeiten zu schaffen, eigene Erfahrungen zu machen, die sie so „in der Schule“ normalerweise nicht machen können. Sie merken schon, wie so oft hängt es vom einzelnen ab. Wer die Gelegenheit beim Schopf packt, kann für sich wirklich viel mitnehmen. Wer sich überfordert fühlt, zieht allerdings eher den Kopf ein und denkt sich vielleicht: „Wann darf ich endlich wieder meine Hausaufgaben machen und meine Vokabeln lernen?“.

Den Abschluss des P-Seminars, bei dem u.a. auch die entstandenen Projekte der Schüler kurz präsentiert werden, bildet das Konzert des MKO im Pestalozzi-Gymnasium am 3.2.2016. Wirkt ein P-Seminar auch in die Schule hinein? Oder ist das doch ein eher hermetisch in sich geschlossener Kreis zwischen Partner, Lehrer und Seminarteilnehmer?

In den meisten Fällen handelt es sich wohl eher um einen „geschlossenen Kreis“, wie Sie es ausdrücken. Dieser ist in meinen Augen allerdings nicht „hermetisch“ abgeriegelt sondern durchlässig, wenn es gewollt ist. Für eine produktive Arbeit muss - wie es ja auch das diesjährige Motto des MKO besonders in den Fokus rückt - eine gewisse Art von Isolation gegeben sein. Denn viele kreative Prozesse bedürfen des geschützten Raumes. Man muss auch einmal eine „unfertige“ Idee äußern dürfen, ohne gleich darüber Rechenschaft ablegen zu müssen, warum man noch nicht die perfekte Lösung präsentieren kann. Gerade für die Schüler ist es eine große Herausforderung vor dem Lehrer und den externen Partnern wirklich „frei“ zu agieren. Im Grunde ist das vielleicht gar nicht wirklich möglich, da die meisten Schüler zu sehr darauf „geeicht“ sind, keine Fehler zu machen. Doch gerade diese Fehler bereichern den Lernprozess bei allen Beteiligten. Wichtig scheint mir jedoch, dass die Schule an diesen Prozessen immer wieder teilhaben kann. So konnten die Schülerinnen und Schüler unseres Seminars eigentlich bei allen Projekten zumindest auf sich aufmerksam machen. Sei es beim Internet-Blog, der auf der Homepage der Schule verlinkt war, sei es bei der Konzerteinführung, zu der die Schüler explizit eingeladen haben oder auch bei den verschiedenen Veröffentlichungen, die natürlich jedem zugänglich gemacht werden konnten, der sich dafür interessiert hat.

Allerdings ist so ein Seminar natürlich im großen Zusammenhang der Schule auch nur eines von vielen und die Aufmerksamkeit der meisten ist ohnehin nur beschränkt zu gewinnen…

Knapp 18 Monate kennen sich nun die 13 Seminarteilnehmer des P-Seminars Musik mit ihrem Fachlehrer StR Stefan Pausch und das MKO. Auf das erste Kennenlernen am 25. September 2014 folgten zahlreiche Konzert-, Proben- und Schulbesuche – intensive Begegnungen zwischen den Schülern und dem MKO. Im sogenannten Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung bekommen alle bayerischen Gymnasiasten in der 11. und 12. Klasse einen Einblick in die heutige Arbeitswelt und in selbständige Projektarbeit. Es soll den Schülern praxisnahe Erfahrungen vermitteln und sie so auf eine verantwortungsvolle Studien- und Berufswahl vorbereiten.

Wie arbeitet ein Profiorchester? lautete die Frage- und Themenstellung des P-Seminars, die den Ausgangspunkt für die Zusammenarbeit markierte.

Musikvermittlung beim Münchener Kammerorchester

Download der Broschüre

entstanden unter redaktioneller Mitarbeit von Sarah Zimmerer und Miriam Kisielewski im Rahmen des P-Seminars

Christian Baldus, Celina Höricht und Martin Henselmann haben im Rahmen des P-Seminars zu den Gründungsjahren des MKO recherchiert. Hier ihre Zusammenstellung aus dem Archiv von Christoph Stepp: MKO Gründungsjahre

Vier Schülerinnen des P-Seminars bei ihrer Konzerteinführung im Prinzregententheater (6. Abonnementkonzert des MKO | 30.4.15)

Vier Schülerinnen des P-Seminars bei ihrer Konzerteinführung im Prinzregententheater (6. Abonnementkonzert des MKO | 30.4.15)

Wo sehen Sie den Stellenwert Musik im Schulalltag in der Zukunft und wie wichtig schätzen Sie ein, dass Orchester sich solchen Aufgaben widmen?

Extrem wichtig! Dabei kommt es aus meiner Sicht aber auch darauf an, dass daraus ein Mehrwert entsteht. Nicht nur die allseits propagierte Erziehung des „Publikums der Zukunft“ sollte dabei für die Entscheidungsträger eine Rolle spielen, sondern auch die Verantwortung für unsere Kinder, solange sie noch Kinder sind! Der Stellenwert von Musik im Schulalltag müsste - oh Wunder - natürlich noch sehr gestärkt werden. Und das sage ich, obwohl ich an einem musischen Gymnasium unterrichte! Wenn Sie sich vorstellen, wie viel Zeit investiert werden muss, um ein Instrument wirklich spielen zu können, dann kann und muss die Schule dieser Möglichkeit viel mehr Raum geben. Was bedeutet Musik für Kinder und Jugendliche? Wenn man sich dieser Frage wirklich ernsthaft widmen würde, würde kein einziger Politiker Kürzungen im kulturellen Bereich befürworten. Aber ich will hier nicht in einem emotionalen Vortrag über die Bedeutung der Musik für die menschliche Seele enden… Wenn ich es ganz nüchtern betrachte, muss ich feststellen, dass der Stellenwert von Musik im Schulalltag der Zukunft immer weniger wichtig sein wird. Und dieser Entwicklung müssen sich Initiativen entgegenstellen, die im Kleinen ansetzen. Wie z.B. so ein P-Seminar, auch wenn es natürlich noch ganz andere Betätigungsfelder gibt…

Anspruch und Realität: wir wollten mit diesem Seminar verschiedensten Aspekte des Orchesteralltags und Orchestermanagements vermitteln und  gleichzeitig aber auch die Begeisterung für das Berufsfeld des Musikers hautnah miterleben lassen. Wie ist das gelungen, Ihrer Meinung nach?

Vor allem die Arbeit mit den einzelnen Personen des MKO ist geglückt. Eine derartige Nähe zum Management, zu einzelnen Musikern und zum Konzertbetrieb ist schon außergewöhnlich. Auch wenn der Kontakt naturgemäß nicht wirklich oft sein konnte, waren die Punkte, an denen ein Austausch stattgefunden hat, immer ein Gewinn für mich. Bei den Schülern hätte ich mir gewünscht, dass der ein oder andere mehr von dieser Möglichkeit Gebrauch macht. Wenn ich als Schüler die Möglichkeit gehabt hätte, bei einer Probe und vielleicht sogar einem Konzert eines Profi-Orchesters aktiv mitzuwirken, hätte ich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das zu schaffen. Bei meinen Schülern scheint dafür aber der Bezug zur Berufswelt in den meisten Fällen noch viel zu verklärt zu sein. Dass Berufsalltag gerade im künstlerisch-musischen Bereich stark von Beziehungen abhängt, ist bei vielen noch nicht angekommen…

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